1’31“-Sieger „Upstairs“: Rasanter Oneshot

Unter dem Motto „Filme, wie du glaubst. Filme, was du liebst. Filme, worauf du hoffst.“ lud das Zentrum für angewandte Pastoralforschung zum Wettbewerb 1’31“ ein, um „die besten Nachwuchs-Youtuber und Filmemacher“ zu finden, die wahlweise in 1:31 oder 3:31 Minuten etwas zu den Themen Glaube, Hoffnung und Liebe zu sagen haben. Der Gewinner steht nunmehr fest: Es ist „Upstairs“ des Freiburger Filmemachers Christoph Peters1: „Zur Flucht gezwungen und in der Hoffnung auf ein sicheres Leben in einer anderen Welt verliert er alles…“


Der diesjährige Gewinner-Film ist ein rasanter Kurzfilm, der mit einer einzigen Kameraeinstellung in einem Hochhaus gedreht wurde. Er verfolgt das Schicksal eines Flüchtlings vom Aufbruch aus seiner Heimat über die Wirren der Flucht bis zur Ankunft im vermeintlich sicheren Zufluchtsland. „Die Themenwahl ist hochaktuell und die Kraft der Inszenierung in einer Art „filmischen Kammerstücks“ hat die Jury überzeugt“, so Initiator des Wettbewerbs und Jurypräsident, Professor Matthias Sellmann.Erzbistum-Koeln.de

Eigene Eindrücke und Assoziationen

  • Trotz der Hektik und Stress atmenden Gestaltung des Clips lohnt sich das mehrmalige Anschauen in mehrfacher Hinsicht: Rein formal ist schon die Organisation des One-Takes beachtlich, genauso die professionell wirkende farbliche Komposition und die beredte Nutzung der Hell-/Dunkel- und Oben-/Unten-Symbolik.
  • Auch die Ausstattung ist wohl durchdacht: Die bereits gepackten Taschen, das Geld, die Kappe, natürlich auch die Gebetskette – nahezu jeder Gegenstand weist über sich selbst hinaus und der Umgang mit diesen Gegenständen öffnet so ein weites Feld für Interpretationen.
  • Erweitert wird dieses Feld durch die Personen, die dem Flüchtling begegnen, seien es die anderen aufgeschreckten Flüchtenden, die Schlepper, die Gauner, der gedankenverloren-rücksichtslose Rempler, die mehrdeutig schauende sitzende Frau oder schließlich die abführenden Beamten mit ausdruckslosen Minen. Oft sind es nur Sekunden-Bruchteile, in denen diese Personen agieren bzw. mit dem im Zentrum stehenden Flüchtling interagieren, doch auch diese Mini-Sequenzen weisen über sich selbst hinaus auf ungelöste fundamentale politische und inhumane Probleme, zu deren Reflexion der Clip drängt.
  • Sprache spielt nur eingangs eine wichtige Rolle, genauer im fluchtauslösenden TV-Bericht und der Kontaktaufnahme mit den Schleppern. Dass trotz der uns fremden Sprache zu keinem Zeitpunkt Unklarheiten über Inhalt und Absichten des Kommunizierten auftreten, belegt nicht nur die starke Bild- und Kompositionssprache, sondern auch das narrative Konzept, das Vorwissen nicht unbedingt voraussetzt, aber bei Vorhandensein auf effektive Weise nutzbar macht.
  • Die Wettbewerbsthemen Glaube, Hoffnung und Liebe werden in vielerlei Weise angeschnitten: Das Weiterreichen der eigenen Wasserflasche als Akt selbstloser Nächstenliebe, die Momente des erleichterten Nach-oben-Schauens als Hoffnungsblitze und vor allem der Umgang des Flüchtlings mit seiner Gebetskette als Symbol des Glaubens, der – gegen Ende im vermeintlichen „Himmel“ angekommen, buchstäblich auf der Strecke bleibt bzw. am Boden liegt… – der Clip bietet zahlreiche Einstiegspunkte für Diskussionen, in seiner Gesamtkomposition sicher auch für Empathie, Selbstkritik und einen „heiligen Zorn“, der einem Angehen der Probleme dienlich sein kann.
  • Der erste Preis bringt Peters 5000 Euro ein, die seinem politisch, sozial wie künstlerisch anspruchsvollen Tun sicher zupass sind. Herzlichen Glückwunsch! – Dass die Produktion des zur Auseinandersetzung auffordernden, ausgesprochen geistreich und detailliert gestalteten Kurzfilms trotz des unglaublichen organisatorischen Aufwands eine nicht völlig freudlose Angelegenheit war, lässt das „Making of“ erahnen…

Ideen für den Unterricht

Die Flüchtlings-Problematik kann neben dem Religionsunterricht auch in anderen Fächern behandelt werden, in denen es um den Menschen und menschen(un)würdigen Umgang geht, also vor allem in den Gesellschaftswissenschaften. Auch der Deutschunterricht ist vermittelbar, da eine Schwerpunktsetzung im erzählerischen Bereich naheliegt. Ein langer Vorlauf scheint mir angesichts der Dichte des Kurzfilms nicht angebracht, da ohnehin nach dem Erstzugriff für die Weiterarbeit reduziert werden muss, so dass z.B. die klassische Brainstorm-/Mindmap-Einleitung nur bedingt im weiteren Verlauf hilfreich sein könnte. Nachfolgende Aufstellung ist nicht als Reihe zu verstehen, sondern eher als Steinbruch, in dem sich – je nach Interessenlage und Gesprächsentwickung – das ein oder andere Anschluss-Steinchen für die Auseinandersetzung in der eigenen Lerngruppe finden lässt. Einige der Aufgaben verwenden die Screenshots, die in einer klappbaren Galerie unterhalb der letzten grauen Box zusammengestellt sind.

Erstbegegnung und Inhalt
  • Wählt zu zweit maximal 7 der 42 Screenshots aus und erzählt damit die Handlung des Clips.
  • Erzähle die Handlung des Kurzfilms in drei Sätzen.
  • Erstellt zu zweit einen 10-stufigen Ablaufplan des Videoclips.
Empathie
  • Wählt zu zweit die drei Screenshots aus, die euch am meisten angesprochen haben. Begründet in jeweils drei Sätzen warum euch die entsprechende Szene beeindruckt hat.
  • Verseht eine frei wählbare Anzahl von Screenshots mit Denk-/Sprech-/Kommentarblasen.
  • Stellt die Gefühls-Entwicklung des Flüchtlings in einer Kurve dar und verseht diese mit kurzen begründenden Kommentaren.
Symbolik und Deutung
  • Welchen Sinn ergibt der Titel „Upstairs“?
  • Stellt zu zweit 5 Thesen auf, die der Kurzfilm vertritt.
  • Deute zwei der folgenden (oder auch anderer) Elemente des Clips – beachte dabei, was genau damit geschieht: Taschen, Gebetskette, Wasserflasche, Aufzug, Treppen, Rempler, Dach…
Glaube, Hoffnung, Liebe
  • An welchen Stellen greift der Clip das Wettbewerbs-Motto „Glaube-Hoffnung-Liebe“ wie auf? Erstellt eine Tabelle, in der auch Raum für eure eigene Meinung ist.
  • Lest, was Paulus in 1 Kor 13 über die Liebe schreibt. Welche Gedanken daraus passen wie zu dem Kurzfilm?
  • Gestaltet einen Jugend-/Schulgottesdienst zum Thema Glaube-Hoffnung-Liebe, in dessen Mittelpunkt der Kurzfilm steht.
Politik und Aktion
  • Informiert euch! Wieviele Menschen kommen jährlich zu uns, die einer ähnlichen Situation wie der Flüchtling entkommen sind?
  • Welche begrifflichen und inhaltlichen Unterscheidungen werden in Deutschland bei Flüchtlingen gemacht und welche Folgen hat das? Was haltet ihr von dieser Argumentation?
  • Welche Beiträge leisten Papst und Kirche in der Diskussion um den Umgang mit Flüchtlingen? Was haltet ihr von diesen Beiträgen?
Kreative Erweiterung
  • Erstellt zu zweit ein Drehbuch für einen alternativen Clip, in dessen Mittelpunkt ein weiblicher Flüchtling steht. Welche Elemente müssten anders gestaltet, ergänzt oder auch weggelassen werden – und warum?
  • Der Flüchtling findet sich in einer Zelle wieder. Was genau geht in seinem Kopf vor, wie sieht er seine Entscheidungen und Hoffnungen, welche Pläne fasst er? Erstellt eine Audio-Aufnahme, in der ihr eure Ideen möglichst überzeugend transportiert.
  • Erstellt zu zweit ein Drehbuch für einen Fortsetzungs-Clip.
Galerie mit 42 Screenshots auf-/zuklappen

1’31“ (2014): Weitere prämierte Beiträge

Auch bei den anderen Preisträgerinnen und Preisträgern (es gab insgesamt über 100 Beiträge) findet sich viel Sehenswertes. Die Gewinner-Clips sind in der YouTube-Playlist unterhalb der Box eingebettet…

PreisträgerWeitere Preise (jeweils 500 Euro)
  • Erster Preis (5.000 Euro): „Upstairs“ von Christoph Peters >>> Mehr
  • Zweiter Preis (2.000 Euro): „Aus Überzeugung simple“ von Paul Cossmer >>> Mehr
  • Nachwuchspreis „U18-Talent“ (750 Euro): „Danke YouTube“ von Julie Trösch >>> Mehr
  • Zuschauerpreis (750 Euro): „Die Busfahrt” von Florian Baier und Team >>> Mehr

 

  • „Hinter Glas“ von Christoph Hartmann >>> Mehr
  • „Glaube – Liebe – Hoffnung” von Val und Chyo >>> Mehr
  • „Der Kritiker” von Simon Radlinger, Elisa Ziegler und Lisa Erard >>> Mehr
  • „Vergeblich” von Alex Fröhlich, Oskar Fröhlich und Micha Kohli >>> Mehr
  • „(Un)sichtbar” von Stefan Meier sowie Matthias Schweikert und Team >>> Mehr

 

1’31“ (2015): neue Wettbewerbsrunde!

Der für 2014/15 abgeschlossene Wettbewerb2 geht noch dieses Jahr weiter, Details zur neuen Runde (Deadlines beachten!) finden sich unter http://2015.1-31.tv





  1. Gemeinsam mit wechselnden Teams produziert Peters Videos „für und mit Jugendarbeit“ und scheint beim BDKJ Freiburg aktiv zu sein (weitere Werke: „Bringt Farbe in die Schule“, „Freiburger Orientierungsjahr“ und „Sozialaktion Style“)… – ein Bild des Gewinners findet sich hier///

  2. Weitere Berichte zum 1’31“-Wettbewerb 2014 bieten die Deutsche Bischofskonferenz, das Kölner Domradio.de sowie Katholisch.de ///

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