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NPR TED Radio Hour: Vom Mythos des Originals

NPR TED Radio Hour: Vom Mythos des Originals

Die rund 50-minütige NPR TED Radio Hour “What is original?” vom 27. Juni 2014 (Transcripts der vier Teile der Sendung: Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4) ist ein “Must-Hear” für alle, die sich im Horizont der Uneigennützigkeit ein flexibleres Urheberrecht wünschen und auch der Idee der Open Educational Resources anhängen. Nachfolgend die zentralen Gedanken der vier Sendeteile…

Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4Four Chords
Jede Idee, jede Erfindung, jeder Song baut auf etwas auf, das vorher schon da war. Dabei geht es aber nicht prinzipiell um das Duplizieren von Ideen, und oft ist es nicht gerechtfertigt, den “Kopierenden” geistigen Raub vorzuwerfen. Vielmehr entsteht bei diesem kreativen Prozess (z.B. Sampling, es werden aber auch eine Reihe weiterer Beispiele gegeben, darunter Bob Dylan, Led Zeppelin und die Beatles) etwas Neues, was vorher nocht nicht da war. Oft sind die Kunstschaffenden von einer Vorlage derart angesprochen, dass sie deren Geschichte weiterschreiben, sich selbst und ihre Gedanken in sie einbringen und eintragen möchten. So entsteht ein differenziertes Bild zwischen Sampling, Anleihe, Hommage und Ideenklau. Unerlässlich ist dabei die Anerkennung der originalen Vorlagen. – Mehr: TED-Vortrag des Musikers Mark Ronson: “Wie das ‘Sampeln’ die Musik transformierte”
Außer dem Urknall gibt es nichts Originales. Auch und gerade die gefeierten Erfinder haben Ideen gestohlen und sie in etwas Neues transformiert. Der Prozess des umformenden Kopierens kann dabei unterschiedlichen Tiefgang haben bis hin zur Unerkennbarkeit des Kopierens. Der gebrauchende Umgang mit Vorlagen oder Werkzeugen ist urmenschlich, nicht das Erfinden völlig neuer und noch nie dagewesener Dinge. Die in den Urheberrechten vieler Nationen verarbeitete Vorstellung von Ideen als Eigentum steht diesem urmenschlichen Drang entgegen. Ideen mögen Eigentum sein, aber sie sind Allgemeineigentum und es kann nur auf dem Grund dieser Ideen Kreativität und Weiterentwicklung geben – auch wenn sich der Umgang mit den Ideen anderer Menschen für vermeintlich kreativ “Kopierende” ganz anders darstellt als für Kopierte. – Der TED-Talk von Filmemacher Kirby Ferguson hat bereits Jörg Lohrer derart begeistert, dass er eine Übersetzung erstellt hat:
Die Urheberrechte der Kleidungsbranche kennen die Eigentums-Idee nicht. Da Kleidung als dreidimensionaler Gegenstand in der Bekleidung eines nackten Menschen ihren praktischen Zweck hat, kann sie nicht als Kunstwerk angesehen und somit urheberrechtlich geschützt werden. Die zweidimensionale Zeichnung eines Schnitts ist geschützt, nicht aber deren dreidimensionale, materiale Realisierung. Diese Tatsache hat zu einer florierenden Industrie, einer lebendigen Kultur des Nehmens und Entwickelns von Details und Gesamtumsetzungen von Bekleidungsideen quer durch die Zeiten geführt. Infolge dieser Kultur entstehen Trends, die nicht nur am Reißbrett, sondern auch von der Straße gesteuert werden: Kleidungs-Designende finden ihre Ideen nicht selten beim Bummeln oder Kramen in Vintage-Läden. Das Remixen von Details und Konzepten sind dabei wesentliche Elemente eines eigenen, kreativen, weil Neues schaffenden “Genies”. Bei den Kopierten kann diese Kultur auch anspornenden Effekt zeitigen, so zu arbeiten, dass die Produkte “unkopierbar” sind… – Mehr: TED-Talk von Johanna Blakley (Forscherin am Norman Lear Center)
Gute Ideen sind zu allen Zeiten durch Teilen und Inkubieren entstanden, ein restriktives Urheberrecht steht der Entstehung von Großartigem ebenso entgegen wie das Für-Sich-Behalten eigener Erkenntnisse. Patente, so demonstriert vom Elektro-Auto-Hersteller Tesla, können auch freigegeben werden – in der Hoffnung, dass Ideen und Konzepte weitergeführt, neu durchdacht und entwickelt werden und in der Kombination mit Anderem zu Innovation führen. Ohne die Freigabe von Wissen und vermeintlichem “geistigen Eigentum” wären die Erfinder der amerikanischen Gründerzeit nicht so produktiv gewesen wie es der Fall war, auch die Entwicklung von GPS verdankt sich dem mitteilenden Gespräch von Menschen auch aus ganz verschiedenen Bereichen. Inspiration führe sich nicht auf Ideenblitze oder Heureka-Momente zurück, sondern auf das verarbeitende Fortspinnen von Gehörtem und Verstandenem. Dieser Prozess des Ausbrütens, bevor die Puzzleteile zusammenpassen, kann durchaus Zeit beanspruchen. Auch Bildung kann als “Kopieren” angesehen werden, auch hier fangen die Probleme an, wenn einem Artefakt, einer Bearbeitung völlige Unabhängigkeit abverlangt wird. Kreativität ist dort am besten möglich, wo etwas Altes in neuem Kontext reimaginiert werden kann… – Mehr: TED-Talk von Schriftsteller Steven Johnson
An mehreren Stellen der Sendung wird “Four Chords” von der australischen Band Axis of Awesome eingespielt. Das 2011 veröffentlichte und damals schon virale Stück illustriert die zentralen Aussagen der Sendung in zugespitzter Weise…
Verfasst von Matthias Heil unter Verschiedenes, Kein Kommentar
OER-Predigt zu den Arbeitern im Weinberg

OER-Predigt zu den Arbeitern im Weinberg

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20,1-16) – 1 Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. 2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. 3 Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. 4 Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. 5 Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. 6 Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? 7 Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! 8 Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. 9 Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. 10 Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. 11 Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, 12 und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. 13 Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. 15 Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin? 16 So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg1 ist eine echte Zumutung – wenn wir unsere üblichen Vorstellungen von Gerechtigkeit und Gleichbehandlung anlegen: Es passt mir nicht, dass diejenigen, die nur einen Bruchteil der Arbeit geleistet haben, den vollen Lohn erhalten. Aber warum eigentlich? Continue reading →





  1. Die Arbeiter im Weinberg – Jesus und das Geld – Handsignierter Original-Holzschnitt zum Wirtschaftskommentar des Heinz Schröder zum Neuen Testament: Jesus und das Geld. Wirtschaftskommentar zum Neuen Testament. Gesellschaft für Kulturhistorische Dokumentation e.V.: Karlsruhe, 1979. ///

Verfasst von Matthias Heil unter Slider, Verschiedenes, Kein Kommentar