Kleine Auswahl digitaler Feedback-Tools

Kleine Auswahl von Online-Tools
für Feedback- und Evaluationsprozesse

feedbackGuter Unterricht lebt wesentlich von der Bereitschaft der Lehrkraft Rückmeldungen der Lernenden wertschätzend entgegen zu nehmen, wohlwollend und vorurteilsfrei zu berücksichtigen und das daraus als denkbare Verbesserung Reflektierte umzusetzen. In der einschlägigen Literatur gibt es eine ganze Reihe von Verfahren, Methoden und Tipps dazu, besonders hilfreich für den Unterrichtseinsatz sind

    Wolfgang Endres und Moritz Küffner, „Feedback-Methoden“, in: Rhetorik und Präsentation in der Sekundarstufe I, Weinheim: Beltz, 2008, S. 24-38 und
    Johann Budniak und Susanne Oberreuter, Abschnitt “Feedback”, in: Schülerinnen lernen präsentieren, Klasse 5-11, Lichtenau: AOL, 2008, S. 30-34.

Nicht immer und schon gar nicht prinzipiell, aber dennoch in vielen Zusammenhängen können auch Online-Tools Feedback- und Evaluationsprozesse befördern. Stärken zeigen diese Tools in der Individualisierung und Verfügbarmachung der Beiträge der Lernenden sowie der Weiterarbeit. Dass sich durch diese Tools auch Papier oder andere Materialien sparen lassen, mag auch noch als Argument für deren Erprobung anführbar sein.

Auswahl- bzw. Qualitätskriterien für diese Tools sind Flexibilität, Bedienbarkeit, Kosten und Werbeeinblendungen. Tools, deren sinnvolle Nutzung Geld kostet, nur mit fragwürdigen Produkthinweisen zu haben sind, in ihrer Benutzerführung ein hohes Maß an IT-Kompetenz bzw. komplizierte, für Normalsterbliche schwer umsetzbare Zusatzinstallationen erfordern, scheiden deswegen aus. Falls ein LMS (Learning Management System), also z.B. eine Moodle-Installation samt administrationskompetenter Lehrkraft zur Verfügung steht, wird sicherlich das entsprechende Modul erste Wahl sein, auch auf Edmodo lassen sich nicht zu anspruchsvolle Feedback- und Evaluationsprozesse initiieren, jedoch lohnt der Einrichtungsaufwand in beiden Fällen m.E. nicht, wenn “nur” evaluiert bzw. Feedback gegeben werden soll. – Letztlich führt das Flexibilitäts-Kriterium zu einer Präferenz, die aber natürlich subjektiv geprägt ist.

Hinweisen möchte ich nachfolgend in aller Kürze auf vier Tools, die im Bereich der genannten Kriterien punkten können: kwiqpoll.com, Socrative.com, GoogleDrive (genauer: Formular-Modul von dessen früher als “GoogleDocs” bzw. “Text und Tabellen” bekanntem Onlinedokument-Service) und SurveyMonkey.com.

Kwiqpoll.com besticht durch geradlinige Benutzerführung: Eine Frage und bis zu fünf Antwortmöglichkeiten werden (ohne jegliche Registrierungs-Hürde) eingetragen, die Verfügbarkeitsdauer der Umfrage auf drei oder sieben Tage eingestellt, eine lösbare Additionsaufgabe als Authentifizierung gelöst, dann erhält man einen Kurz-Link zu einer auch auf Mobilgeräten gut aussehenden Seite, auf der Lernende (cookie-gesteuert nur einmal) abstimmen können und dann direkt auf eine Ergebnisseite weitergeleitet werden, welche das Gesamtergebnis in optisch ansprechender Weise anzeigt. – Mit diesem Service können auch technophobe Lehrkräfte problemlos und spontan simple Online-Abfragen erstellen. Dass es nur eine Wahlmöglichkeit und auch nur eine Frage geben kann, für alle Lernenden Rechner zur Verfügung stehen müssen und keine freie Rückmeldung unterstützt wird, erweist sich jedoch für komplexere Vorhaben sehr schnell als starke Einschränkung.

Socrative.com erfordert eine Registrierung, bietet im direkten Vergleich mit kwiqpoll aber ein Vielfaches an Funktionalität. Der Service ermöglicht nicht nur Umfragen, sondern auch Tests und Spiele und versucht dabei vor allem die Mobilgeräte der Lernenden in Einsatz zu bringen, auf deren Darstellungsmöglichkeiten die Einrichtungs- und Abrufseiten zugeschnitten sind. Neben Multiple Choice- sind auch True/False-Fragen und Fragen mit freien Kurzantworten möglich, nach denen dann auch direkt auf eine sich automatisch aktualisierende Ergebnisseite weitergeleitet wird. Zeitlimitierte Quize, “Exit Ticket” (Kurzabfrage am Stundenende) und das “Space Race” im Angebot. Beim genaueren Hinsehen erweist sich dieses Angebot als didaktisierte Sammlung, da mit geringen Varianten stets auf dieselbe Funktionalität zugegriffen wird. Dennoch hilft der Katalog, schneller als bei anderen Angeboten zu Einsatzszenarien zu kommen und diese vorzubereiten. Alle Aktivitäten können daheim vorbereitet und nur bei Bedarf freigeschaltet werden, ein großes Plus stellt dabei das “Room”-Konzept dar: Lehrkräfte erhalten einen “Room”-Zahlencode, der von den Lernenden bei Aufruf der Seite http://m.socrative.com einzugeben ist. Die Lehrkraft schaltet dann nach eigener Anmeldung unter http://l.socrative.com die gewünschte Aktivität im eigenen Raum einmalig “live” und beendet auch deren Bearbeitbarkeit. Es ist möglich, dass z.B. Smartphones (kostenfreie, stabil laufende Apps für iOS und Android stehen zur Verfügung) von mehreren Lernenden verwendet werden, so dass (bei Netzanbindung) auch außerhalb der Computerräume mit Socrative gearbeitet werden kann. Nach Abschluss der Aktivität kann sich die Lehrkraft ein Datenblatt im Excel-Format per E-Mail zustellen lassen, das dann auch eine flexible Weiterarbeit mit den Ergebnissen ermöglicht. – Einmal entwickelte Aktivitäten können immer wieder verwendet und auch der Socrative-Community zur Verfügung gestellt werden, die im Socrative Garden umfangreiche Tipps und Anleitungen anbietet. – Socrative wird von einem “team of educators, entrepreneurs, and engineers passionate about improving education” entwickelt, ein Geschäftsmodell ist bisher nicht ersichtlich, es ist aber nicht auszuschließen, dass früher oder später bestimmte Teile des Services kostenpflichtig werden.

Die Nutzung von GoogleDrive erfordert einen kostenlosen Google-Account, der Interessierten die Tür zu einer Vielzahl von Tools öffnet, die im Unterricht mit Gewinn eingesetzt werden können. Hier interessieren ausnahmslos die Google-Formulare. Nach Anmeldung legt man auf der GoogleDrive-Startseite (die gleichzeitig die bereits angelegten bzw. zugänglichen Dokumente listet) über das rote Icon ein Formular an. Man landet direkt im auf den ersten Blick etwas spartanisch wirkenden Editor, der aber alles mitbringt, was man zur Erstellung eines Feedback-/Evaluationsbogens benötigt: Unbegrenzte Fragen und Antwortmöglichkeiten, Verändern der Reihenfolge per Drag & Drop, Frage-Typen (Text, Textabsatz, Auswahlfrage, Ankreuzen, aus einer Liste wählen, Skala, Raster), optionaler Hilfetext, optionale Pflicht-Markierung, Auswahl aus ca. 100 Formularseiten-Designs, Duplizierbarkeit der Einzelfragen. Am unteren Rand des Editors wird bereits ein Preview-Link für das Formular angezeigt. Nach Abschluss der Erstellung kann das Formular in einer Mail verschickt oder per (sehr langem und deshalb auch höchst unwahrscheinlich “zufällig” auffindbaren, also vor Fremden relativ sicheren) Link weitergereicht werden (im Unterricht empfiehlt sich freilich ein URL-Kürzungs-Service wie z.B. bit.ly. – Die Formulare sehen in der Regel auch auf Mobilgeräten gut aus, können auch in andere Websites (z.B. die eines LMS oder Klassen-/Schulblogs) eingebettet werden. – Die Ergebnisse werden automatisch in ein für die formularausfüllenden Personen nicht sichtbares Online-Datenblatt eingefügt, das wiederum Sortier-, natürlich auch Export- und damit auch weitere Bearbeitungsmöglichkeiten bietet. – Das Killer-Argument für dieses Werkzeug ist die wie bei allen anderen GoogleDoc-Typen eingepflanzte Kollaborationsfunktionalität. Es ist ja kein Zwang, dass nur eine Lehrkraft einen solchen Bogen entwirft. In unserem Studienseminar will ein mutiges Team von Referendarinnen und Referendaren einen Online-Evaluationsbogen für den Premierenlauf eines neuen Moduls erarbeiten (dem verdankt sich auch dieser Beitrag). Auch in evaluationserfahrenen Schulklassen lässt sich so etwas vielleicht umsetzen – dadurch gewinnen Lernende u.U. auch neue Perspektiven und längerfristig vielleicht auch eine höhere Selbstverantworlichkeit für ihr Lernen.

SurveyMonkey.com verlangt eine Registrierung und bietet im kostenlos nutzbaren Grundpaket nur 10 Fragen für eine Umfrage und max. 100 Beantwortungen pro Umfrage. – Unbestreitbare Stärken liegen neben der deutschsprachigen Benutzerführung in der Vielfalt der 15 Fragetypen (z.B. Multiple Choice, Auswahlmatrix, Bewertungsskala, Textfelder, demografische Fragen), der guten Anpassbarkeit (z.B. Kommentarfelder, Zufallsanzeige oder sortierte Anzeige von Fragen, um Beeinflussung zu vermeiden, Festlegung erforderlicher Antworten, Änderung von Größe und Platzierung, Verzweigungslogik, Offline-Erfassung durch PDF-Export, Ein-Klick-Publizierung, Einladungswerkzeuge, Collector-Einschränkungen), der Ergebnisanalyse (z.B. Echtzeitergebnisse, benutzerdefinierte Berichte, benutzerdefinierte tabellarische und grafische Datenabbildungen, Kreuztabellen, Export in verschiedenen Standard-Dateiformaten, optionale und benutzerdefinierte Ergebnispublikation ohne Kontofreigabe). – SurveyMonkey bietet das mit Abstand umfangreichste Feature-Angebot, die meisten dieser Funktionen sind im kostenlosen Paket nutzbar, die o.g. quantitativen Einschränkungen dürften für den Unterrichtseinsatz auch kein Problem darstellen. – Umfragen können mehrmals an einem Rechner bearbeitet werden, die Seiten sehen auch auf Mobilgeräten gut aus. Ein nicht zu unterschätzender didaktischer Vorteil gegenüber kwiqpoll ist, dass nach Bearbeitung der Umfrage nicht gleich auf die Ergebnisseite weitergeleitet wird, sondern zunächst nur die Lehrkraft Einblick in die Ergebnisse hat. Freilich ist eine gewisse Gewöhnungs- und Einarbeitungszeit erforderlich, dafür hat man hier ein sehr mächtiges Werkzeug in der Hand, womit sich auf komfortable Weise in allen erdenklichen Einsatzszenarien agieren lässt. – Um das Gros der Alleinstellungs-Features von SurveyMonkey auszureizen (Details), muss man 25 Euro pro Jahr zahlen, was für viele Lehrkräfte trotz der Leistungen eine hohe Hürde sein dürfte. Schul-Accounts werden zwar nicht explizit erwähnt, das “Gold”-Paket für auf alle Fachschaften umgelegte 300 Euro wird sich für Schulen, die ihren Lehrkräften diese Variante der Evaluation ermöglichen wollen, aber dennoch lohnen.

Auch wenn SurveyMonkey ein sehr viel umfangreicheres Funktionspaket schnürt, ist aufgrund der Kollaborationsoptionen, der uneingeschränkten Frage- und Antworten-Items für mich GoogleDrive der klare Favorit, aber da darf man natürlich gerne auch zu anderen Ergebnissen kommen: Eine allgemeine Empfehlung lässt sich – wie schon angedeutet – kaum formulieren, da die Anforderungen bzw. Erwartungen an ein solches Tool doch sehr unterschiedlich gestellt sein werden.

Vielleicht erleichtert dieser Überblick ja etwas die Orientierung im zunehmend unübersichtlichen Webservice-Dschungel, evtl. beflügelt er gar zur Erprobung eines der besprochenen Online-Tools.

Was fällt dir dazu ein?

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