Flüchtling Jesus

Jesus war ein illegales Flüchtlingskind. Nach seiner Geburt waren Jesus und seine Familie gezwungen nach Ägypten zu fliehen um dem Wahnsinn von König Herodes zu entgehen.

Darüberhinaus lebte Jesus in einem Land, das vom gnadenlosen Römischen Imperium besetzt war, das routiniert mordete, folterte, und alle inhaftierte, die auch nur an Revolution dachten. Es gibt zahlreiche Belege, dass ein römischer General namens Varus in einer Stadt namens Sepphoris tausende von Männern, Frauen und Kinder am Kreuz sterben ließ. Sepphoris lag knapp 5 Kilometer von Nazareth entfernt, dem Ort, wo Jesus mit seiner Familie wohnte. Sepphoris und die entlang einer stadteinwärts führenden Straße platzierten Gekreuzigten waren von Nazareth aus zu sehen. So lässt sich mit Sicherheit annehmen, dass Jesus und seine Familie auf irgendeine Weise von diesem sinnlosen terroristischen Akt betroffen waren.

Wenn es jemanden gab, der Gewalt mit Gewalt hätte bekämpfen wollen, wäre es also Jesus. Wenn es jemanden gab, der zügige Gerechtigkeit mit jedem Mittel wollte, wäre es Jesus. Wenn es jemanden gab, der Ausländern misstraute, wäre es Jesus.

Aus diesem Grund ist es so unglaublich überraschend, wenn Jesus das Thema der Vergeltung gegenüber den Feinden anspricht. Er sagt nicht, dass Böse mit Bösem vergolten werden soll. Stattdessen sagt Jesus dies:

Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

Wie entmutigend für diejenigen, die den guten Kampf suchen.

Was Jesus hier tut, ist machtvoller als jeder Gebrauch von Gewalt. Jesus sagt: Feindesliebe ist unglaublich machtvoll. Das Gegenteil des Erwarteten zu tun ist unglaublich machtvoll. Selbstlose Liebe angesichts von Angst und Gewalt zu zeigen ist unglaublich machtvoll.

Oft stelle ich mir einen römischen Soldaten vor, der einen Christ schlägt, dieser aber nur aufsteht und sagt: “Tu es noch einmal. Los.” Das wäre für einen Soldaten auf eine Weise schockierend wie es gewalttätige Vergeltung niemals sein könnte. Oft stelle ich mir vor, wie verwirrt der römische Soldat wäre, wenn er einen Christ um seine Jacke bittet und der Christ auch noch das Hemd dazu gibt. Wie überraschend wäre es für einen Soldaten gewesen jemanden zu bitten sein Gepäck eine Meile weit zu tragen und zu erleben, dass der Christ es ablehnt stehenzubleiben. Stattdessen tragen sie das Gepäck zwei Meilen.

Jesus sagt uns, dass es unglaublich machtvoll ist, Gewalt zu widerstehen und unsere Feinde zu lieben. Wenn ich ehrlich bin, ist das frustrierend und unpraktisch. Es ist sicherlich nicht befriedigend.

Ich habe die ISIS-Videos gesehen. Ich habe die Anschläge in Paris gesehen. Ich habe von Flüchtlingen gelesen, die umgekehrt sind und den Menschen Zerstörung bereiten, die sie aufgenommen haben. Wenn ich ehrlich bin, stimme ich mit der Einstellung von denen überein, die zügige und gewalttätige Vergeltung wollen. Ich habe Verständnis für diejenigen, die ihre Grenzen aus Angst schließen. Ich möchte in Sicherheit sein. Es ist verständlich, dass viele von uns dasselbe wollen. Es ist verständlich, dass wir Akte des Terrorismus mit jedem Mittel beenden wollen.

Aber was wenn wir tatsächlich dieser unbequemen, schwierigen, lebensverändernden Lehre Jesu folgen? Was wenn wir denen Liebe und Vergebung zeigen, die uns zu verletzen versuchen? Was wenn wir denen dienten, die unsere Namen verunglimpfen? Was wenn wir selbstlos Flüchtlinge unterstützten statt deren Berechtigung zu debattieren? Was wenn wir unsere Herrschenden bewegten ihre Türen angesichts der Angst zu öffnen? Was wenn wir Mitleid anböten angesichts von Grausamkeit? Was wenn wir uns die Zeit nähmen zu erkennen, dass eine von Hass geprägte Gruppe nicht für die gesamte muslimische Bevölkerung steht? Was wenn wir für ISIS beteten?

Würde das eine Bewegung beginnen?

Würde das nachhaltige Veränderung bewirken?

Würde das unsere Welt umformen?

Als Jüngerinnen und Jünger Christi weniger als all dies zu tun entspricht der Leugnung des Mysteriums Jesu Christi. Weniger als all dies zu tun sendet die Botschaft, dass wir vielmehr mit Selbstrechtfertigung befasst sind. Weniger als all das zu tun steht in direktem Konflikt mit den machtvollen Lehren Jesu.

Als Jüngerinnen und Jüngern Christi lasst uns das Unbequeme tun. Lasst uns das Mysterium Christi erfassen. Lasst uns unglaubliche Macht darin entdecken, der Gewalt zu widerstehen und unseren Feinden Liebe zu zeigen.

Übersetzung des Beitrags “Jesus the Refugee” von Jonathan Williams in der Huffington Post (Zugriff 20.11.2015) – Williams ist Senior Pastor der Forefront Church, New York. – Bildquelle: pixabay.com (Public Domain)

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