In diesem Clip (vielen Dank an Thomas Whitby/@TomWhitby für den Hinweis!) wird das Konzept eines technikgestützten vernetzten Lernens knapp und übersichtlich dargestellt. Die Menge der angesprochenen Tools und ihre nicht immer in idealer Weise ausgeprägte Benutzerfreundlichkeit bremsen meine Begeisterung jedoch etwas, wobei – ein Jahr nach dem Connectivism course von George Siemens und Stephen Downes, der die Erstellung des Clips anstieß – mit Google Wave ein Instrument am Horizont auftaucht ist, mit dessen Hilfe einige dieser Tools gebündelt bzw. an einem Ort zusammengeführt werden können. Informationsmanagement bzw. die portfolioartige Dokumentation und Entwicklung von Lernprozessen wird dadurch hoffentlich schon bald auch für weniger technophile Lernende einfacher realisierbar sein als das Jonglieren auf verschiedenste Services udn Tools versprengter Lernfragmente. – Ein weiteres Bedenken: Technikfreie Grundkompetenzen, z.B. auch das “Social Networking” innerhalb einer Lerngruppe, dürfen m.E. nicht zu stark in den Hintergrund treten (in dieser Hinsicht hinterlässt auch René Schepplers Schmankerl Nr. 47 trotz aller lobenswerter Stichworte und Ansätze ein etwas ungutes Gefühl in mir – dass z.B. das Schreiben dort noch als Kulturtechnik hochgehalten wird, wirkt für mich fast ein bisschen aufgesetzt).
Von entscheidender und richtungsweisender Bedeutung für mich ist die in dem Clip ab 4′20” sehr gut skizzierte Bedeutung der Lehrkraft in diesem Vernetzungsszenario: Sie hilft den jungen Lernenden bei der Erstellung ihres Netzwerks, leistet Hilfestellung, wenn sie nicht weiterkommen, zeigt ihnen als Modell gelingende Kommunikation sowie respektvollen Umgang mit ExpertInnen, befähigt sie zur Unterscheidung zwischen guter Information und Propaganda, zur Überprüfung einer Ressource, zu einer klug gefilterten Webrecherche, teilt bei Erfolgserlebnissen deren Begeisterung… und: “In her heart she hopes that when he leaves her class, he’ll maintain his learning network, and use it to navigate his future, and creatively solve the world’s problems” – Genau diese über die Schulzeit hinausreichende Perspektive müssen sich Lehrende zu eigen machen und ihr unterrichtliches, auf Medien- wie Sozialkompetenz abzielendes Handeln, danach gestalten. – Deswegen reicht es eben nicht, eine schöne Moodle-Insel einzurichten, die nach dem Abitur – der Vertreibung aus dem Paradies nicht unähnlich – zu verlassen ist. Deswegen reicht es eben nicht, sich die Hausaufgaben mal per Mail schicken oder ins Forum stellen zu lassen. Deswegen reicht es eben auch nicht, irgendwo einen formal wie inhaltlich fragwürdigen und nicht durchgesehenen Blogbeitrag hinzusetzen, der auf keinerlei Interesse treffen kann.
Vielmehr müssen wir uns bemühen, Kollaboration, gegenseitige Begleitung und Ergänzung im Lernprozess konsequenter anzubahnen, aufzubauen, zu trainieren und zu verstärken. Wir müssen von Anfang an bemüht sein, junge Lernende aneinander Interesse finden zu lassen, ihre Verantwortung und Begabung zu entwickeln, ihre Arbeit wertzuschätzen, ihnen Fenster in die Wände des Klassenraums einzusetzen, Kanäle nach außen, zu Ähnlich- und Andersdenkenden herzustellen. Das sind die Filter, durch welche die Option des Einsatzes technischer Hilfsmittel laufen muss: Die Einsicht, dass der Computer nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Arbeiten taugt, ist ein viel zu bescheidenes Ziel (vgl. Schmankerl 47, s.o.), das junge Menschen i.d.R. auch ohne die Schule erreichen werden. Es geht vielmehr um die Grundlegung eines Netzwerkes, das über die Schulzeit hinaus Bestand hat.
Wo fangen wir an? Pragmatischerweise da wo wir gerade stehen, ob im Studium, in der Lehre, der Schule oder der Ausbildung von Lehrkräften: Die weiter oben skizzierten Aufgaben lassen sich mühelos auf alle dieser Situationen übertragen… – Ausgehen müssen wir von uns selbst: Wie sieht es denn mit unserer Vernetzung aus? Sind wir in der Lage, selbst die Erfolgserlebnisse zu haben, zu denen wir auch unsere jungen Lernenden führen wollen? Haben wir die Kraft, die Kompetenz und die Nerven, bestehende Kontakte zu pflegen und neue zu entwickeln? Bei aller Begeisterung für Vernetzung und Kollaboration bleiben beide doch Worthülsen, wenn wir sie selbst nicht in für uns befriedigender Weise einzulösen imstande sind. So ist das Konzept vernetzt Lernender sicherlich ein Stück weit Ideal, angesichts der unvollkommenen Umstände im deutschen Bildungswesen und der sicher nicht bei der Mehrheit der Lehrkräfte vorauszusetzenden eigenen Praxis von Kollaboration und Vernetzung vielleicht auch Zerrbild. Lisa-Rosa hat recht: Die Schule braucht Transformation, nicht Modernisierung!
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