Vernetzte Lernende: Ideal- und/oder Zerrbild?



In diesem Clip (vielen Dank an Thomas Whitby/@TomWhitby für den Hinweis!) wird das Konzept eines technikgestützten vernetzten Lernens knapp und übersichtlich dargestellt. Die Menge der angesprochenen Tools und ihre nicht immer in idealer Weise ausgeprägte Benutzerfreundlichkeit bremsen meine Begeisterung jedoch etwas, wobei – ein Jahr nach dem Connectivism course von George Siemens und Stephen Downes, der die Erstellung des Clips anstieß – mit Google Wave ein Instrument am Horizont auftaucht ist, mit dessen Hilfe einige dieser Tools gebündelt bzw. an einem Ort zusammengeführt werden können. Informationsmanagement bzw. die portfolioartige Dokumentation und Entwicklung von Lernprozessen wird dadurch hoffentlich schon bald auch für weniger technophile Lernende einfacher realisierbar sein als das Jonglieren auf verschiedenste Services udn Tools versprengter Lernfragmente. – Ein weiteres Bedenken: Technikfreie Grundkompetenzen, z.B. auch das “Social Networking” innerhalb einer Lerngruppe, dürfen m.E. nicht zu stark in den Hintergrund treten (in dieser Hinsicht hinterlässt auch René Schepplers Schmankerl Nr. 47 trotz aller lobenswerter Stichworte und Ansätze ein etwas ungutes Gefühl in mir – dass z.B. das Schreiben dort noch als Kulturtechnik hochgehalten wird, wirkt für mich fast ein bisschen aufgesetzt).

Von entscheidender und richtungsweisender Bedeutung für mich ist die in dem Clip ab 4′20” sehr gut skizzierte Bedeutung der Lehrkraft in diesem Vernetzungsszenario: Sie hilft den jungen Lernenden bei der Erstellung ihres Netzwerks, leistet Hilfestellung, wenn sie nicht weiterkommen, zeigt ihnen als Modell gelingende Kommunikation sowie respektvollen Umgang mit ExpertInnen, befähigt sie zur Unterscheidung zwischen guter Information und Propaganda, zur Überprüfung einer Ressource, zu einer klug gefilterten Webrecherche, teilt bei Erfolgserlebnissen deren Begeisterung… und: “In her heart she hopes that when he leaves her class, he’ll maintain his learning network, and use it to navigate his future, and creatively solve the world’s problems” – Genau diese über die Schulzeit hinausreichende Perspektive müssen sich Lehrende zu eigen machen und ihr unterrichtliches, auf Medien- wie Sozialkompetenz abzielendes Handeln, danach gestalten. – Deswegen reicht es eben nicht, eine schöne Moodle-Insel einzurichten, die nach dem Abitur – der Vertreibung aus dem Paradies nicht unähnlich – zu verlassen ist. Deswegen reicht es eben nicht, sich die Hausaufgaben mal per Mail schicken oder ins Forum stellen zu lassen. Deswegen reicht es eben auch nicht, irgendwo einen formal wie inhaltlich fragwürdigen und nicht durchgesehenen Blogbeitrag hinzusetzen, der auf keinerlei Interesse treffen kann.

Vielmehr müssen wir uns bemühen, Kollaboration, gegenseitige Begleitung und Ergänzung im Lernprozess konsequenter anzubahnen, aufzubauen, zu trainieren und zu verstärken. Wir müssen von Anfang an bemüht sein, junge Lernende aneinander Interesse finden zu lassen, ihre Verantwortung und Begabung zu entwickeln, ihre Arbeit wertzuschätzen, ihnen Fenster in die Wände des Klassenraums einzusetzen, Kanäle nach außen, zu Ähnlich- und Andersdenkenden herzustellen. Das sind die Filter, durch welche die Option des Einsatzes technischer Hilfsmittel laufen muss: Die Einsicht, dass der Computer nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Arbeiten taugt, ist ein viel zu bescheidenes Ziel (vgl. Schmankerl 47, s.o.), das junge Menschen i.d.R. auch ohne die Schule erreichen werden. Es geht vielmehr um die Grundlegung eines Netzwerkes, das über die Schulzeit hinaus Bestand hat.

Wo fangen wir an? Pragmatischerweise da wo wir gerade stehen, ob im Studium, in der Lehre, der Schule oder der Ausbildung von Lehrkräften: Die weiter oben skizzierten Aufgaben lassen sich mühelos auf alle dieser Situationen übertragen… – Ausgehen müssen wir von uns selbst: Wie sieht es denn mit unserer Vernetzung aus? Sind wir in der Lage, selbst die Erfolgserlebnisse zu haben, zu denen wir auch unsere jungen Lernenden führen wollen? Haben wir die Kraft, die Kompetenz und die Nerven, bestehende Kontakte zu pflegen und neue zu entwickeln? Bei aller Begeisterung für Vernetzung und Kollaboration bleiben beide doch Worthülsen, wenn wir sie selbst nicht in für uns befriedigender Weise einzulösen imstande sind. So ist das Konzept vernetzt Lernender sicherlich ein Stück weit Ideal, angesichts der unvollkommenen Umstände im deutschen Bildungswesen und der sicher nicht bei der Mehrheit der Lehrkräfte vorauszusetzenden eigenen Praxis von Kollaboration und Vernetzung vielleicht auch Zerrbild. Lisa-Rosa hat recht: Die Schule braucht Transformation, nicht Modernisierung!



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  • "Es wird nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht wird." kommt mir bei diesen Visionen immer wieder in den Kopf. Wir sind als "Early Adopters" eine Minderheit, denn die Nutzung des Mediums Internet ist im Alltag sehr ernüchternd. Weder sind Jugendlichen Internet-Experten nur weil sie eine XBox bedienen können, noch macht das Medium aus Couchpotatoes ein Heer von kreativen Content-Produzenten.

    Das Internet hat die Chance, die Welt evtl. ein bisschen besser zu machen, aber diese Chance beruht auf dem Willen der Menschen und nicht den technischen Möglichkeiten einzelner "Dienste" und ihrer Ausprägung in Richtung "Social Network".

    Wenn wir als Masse kein gemeinschaftliches Grundbedürfnis z.B. zum offenen Wissensaustausch entwickeln, dann brauchen wir auch keine Web 2.0 Werkzeuge, denn diese werden nicht die Veränderungen einläuten. Es ist die Geisteshaltung die sich ändern muß. Und dieser Prozeß ist evolutionär, passiert nicht von heute auf morgen, auch wenn viele das von uns gerne wollen und es sinnig erscheint.

    Slideshare: Digital Strangelove or How I Learned To Stop Worrying And Love The Internet

    "This is a collection of thoughts around where we are right now in the history of the Internet. I believe we're getting ahead of ourselves, confusing the growth of the Internet with it growing up, but I also believe we're doing some amazing things, and can draw a few lines in the sand, making some solid guesses on where we are going. " http://bit.ly/3QLnbz
  • Thomas Rau (http://www.herr-rau.de) kommentiert wegen Disqus-Problemen per Mail:

    Will auch, will auch, meinen Senf. Mich stört zuerst dieser didaktische Indikativ, den ich aus Lehrpläne kenne: “Der Schüler ist… der Schüler hat…”, auch wenn der Schüler keineswegs ist und keineswegs hat. Aber okay, was der Lehrplanschreiber darf, darf der Videomacher auch.

    Meine eigenen Erfahrungen sind anders; diese Schüler gibt es noch nicht, die Schüler wollen so auch nicht arbeiten. Aber gut, muss man halt die Schüler ändern. Nur: viel Arbeit werden sie sich auch so nicht machen wollen. Schüler sind keineswegs faul, auch nicht uninteressiert an Themen, aber sie wollen so wenig Arbeit wie möglich in die Schule stecken. Im Zweifellsfall ist kein Unterricht besser als jeder, und keine Hausaufgabe besser als irgendeine. Der Widersinn dessen ist den älteren Schülern dabei durchaus bewusst.
    Anders wäre es vielleicht, wenn man sich von Lehrplänen verabschiedet. Davon sehe ich im Video nichts; den Wunsch höre ich gelegentlich, ich teile ihn nicht.

    Auf dieser Basis halte ich viel von konstruktivistischen Ansätzen. Wie wichtig ist dabei die im Video geschilderte Art des Arbeitens, die Vernetzung?

    Ich habe viel gelernt, und das nach Methoden, die derzeit außer Mode sind. (Ohne Web.) Diese Methoden können also nicht generell schlecht sein, sie können nur für manche, viele, die Mehrheit der Schüler ungeeignet sein. Will ich manche, viele, die Mehrheit der Schüler unterrichten? Mehrgliedrige Schule oder nicht?
    Aber vielleicht hätte ich in Schule und Studium noch mehr gelernt, wenn ich das Web schon gehabt hätte. Wie gehe ich denn heute vor, wenn ich etwas Neues lerne? Das letzte, das ich so gelernt habe, waren rekursive Methoden einer Liste (in perfekter Komposition – das ist so ein Fachausdruck, ehrlich). Das fand ich überraschend schwer. Inzwischen kann ich das auch im Detail und bin einigermaßen stolz darauf. Wie habe ich das gelernt? Mit einem Buch und einem Computer und viel selbstständiger Arbeit. Kein Netz (von Informationen oder Personen) habe ich dabei als Hilfe genutzt oder vermisst. Unterstützung hatte ich durch eine Fortbildung (Lehrervortrag) im Juli, die mich erst für die Schwierigkeiten sensibilisiert hat.

    Wichtig fürs Lernen ist das Selber- und das Fehlermachen. (Zu letzterem: http://lifehacker.com/5386722/get-it-wrong-befo...) Vernetzung… kann nicht schaden. Sehe ich aber nicht als zentral.
  • "So ist das Konzept vernetzt Lernender sicherlich ein Stück weit Ideal, angesichts der unvollkommenen Umstände im deutschen Bildungswesen und der sicher nicht bei der Mehrheit der Lehrkräfte vorauszusetzenden eigenen Praxis von Kollaboration und Vernetzung vielleicht auch Zerrbild." Ja, klar. Ich denke, das Video ist auch mehr als ein "So sollte es sein" oder ein "So wird es mal sein" als ein "So ist es" gedacht. Bis dorthin ist es vermutlich ein langer Weg. Was können wir tun? Meiner Ansicht nach bleibt eine Möglichkeit: Vorbild sein und in eigenen Lernsettings vernetztes Lernen so oder so ähnlich, wie es im Video gezeigt wurde, praktizieren - wenn man das denn will.
  • Danke, Christian. Wir müssen noch konkreter werden hinsichtlich dieses Weges; Lisa hat mit Projektunterricht ein wichtiges Stichwort gegeben, ich würde hier auch noch Kompetenz- und Problemorientierung hinzufügen, um Schnittstellen zu anderen "In-Themen" pädagogischer Reflexion zu benennen - schön wäre es, wenn an verschiedenen Stellen, also Uni, Studienseminar und Schule exemplarische Entwürfe erarbeitet werden könnten. - Im November stehen mir fünf Sitzungen "Methoden und Medien" zur Verfügung, in die ich vielleicht Vernetzungsaspekte einbringen kann...
  • Ein Beispiel ist AnOrMal - Anwendungsorientiert Mathematik lernen. Das versuchen gerade Ulli Kortenkamp und ich zu realisieren: http://tinyurl.com/yzxmfvy - Hier arbeiten Studierende in Großveranstaltungen projektorientiert und unter Nutzung von Web2-Netzwerken. Die Veranstaltung hat aber gerade erst begonnen, insofern: es bleibt spannend, wie die Veranstaltung verlaufen wird.

    Nicht zu vernachlässigen ist meiner Erachtens aus methodischer Sicht auch die "Offline-Vernetzung". Das setze ich z.B. im "Aktiven Plenum" in Vorlesungen um: http://tinyurl.com/pvsq4e

    Eine weiteres Beispiel könnte ein Seminar von mir werden, in dem die Studierenden sich gerade entschlossen haben, projektorientiert zu arbeiten. Das Beispiel stammt von heute abend - die Ideen sind noch ganz warm! :-) http://tinyurl.com/yztmkka

    Das wären einige Beispiele, die ich beisteuern könnte...
  • lisarosa
    Hi, Matthias.
    Sowohl bei mit voller Stundenlast unterrichtenden Lehrkräften als auch bei jüngeren Lernenden sehe ich Realisierungsprobleme hinsichtlich einer nicht didaktisch-methodisch reduzierten Realität als Lernumgebung: Lehrkräfte haben i.d.R. nicht die Zeitreserven, auch nur mehrheitlich einen individualisierten, kompetenzorientierten, und am Ende sogar noch für junge Menschen spannenden/ansprechenden Unterricht zu planen und zu organisieren" --- na klar! Das ist ja der Punkt, der zeigt, dass es im Optimierungsmodus des alten Systems nicht mehr weiter zu "verbessern" ist. Ohne einen anderen Umgang mit der Ressource Zeit geht das Neue nicht zu machen. Genauso wie wir ohne den Referenzparameter "quantitatives Wachstum" in der Ökonomie zu verlassen und durch einen neuen zu ersetzen, das Klimaproblem nicht lösen können.

    Und: Wieso sollte man nur "wenn's sein muss" mit dem iPhone zu den Bäumen? Grade! Recherche und www-Kommunikation vor Ort: Da wo die Gegenstände sind! Und wieso ausgerechnet nicht in den humanities und social sciences???? "Schüler erforschen ihren Stadtteil" ist ein großartiges Format für politische Bildung/Geschichte und so weiter. Und na gerade mit dem mobile computing vor Ort! Das ist doch der clue!
  • Mit dem iPhone in den Wald... na gut, es kommt auf das Lernarrangement an; befürchte, dass man durch die Technik auch manche Wahrnehmungskanäle, die dem Menschen gegeben sind, verstopfen kann. Ein Waldbesuch ergibt m.E. als ganzheitliche und technikfreie Erfahrung i.d.R. mehr Sinn als wenn man alle paar Minuten gegen Bäume läuft, weil man mit der Onlinerecherche so beschäftigt ist...-)
  • lisarosa
    Och nöö! Was hast Du für einen Technikbegriff? Dann darfst Du auch keinen Fotoapparat mitnehmen und streng genommen natürlich auch keinen Füller und kein Notizbuch - und auch kein Gebetbuch. Natürlich auch kein Vogelstimmen- und kein Pilzbestimmungsbuch. Und eigentlich darfst Du Dich noch nicht mit Deinen Kindern unterhalten - denn auch die Sprache ist ein Kommunikationsmedium und natürlich "Technik". Nur die kulturhistorischen Stufen sind verschieden. Aber wenn Du meinst ...
    Ich hingegen stelle es mir klasse vor, wenn man direkt vor Ort Vogelstimmen, Pilze und Bäume sowie Tierspuren recherchieren kann, Fotos machen und gleich kommentieren kann, Gedichte vortragen und schreiben kann. Das bereichert das Walderlebnis ungemein. Oder solltest Du der romantischen Vorstellung von "Unmittelbarkeit" anhängen? Dann muss ich Dir sagen: Geh nicht in den Wald. Da ist nicht die Natur. Es ist eh nur gesellschaftlich hergestellte Kulturlandschaft. (Ganz zu schweigen davon, dass Dich Dein iPhone aus dem Wald retten kann, wenn Du Dich verlaufen hast.) Oder ist das "richtige" Walderlebnis nur ein Treckingerlebnis? Auch schön. Dann empfehle ich http://wildniswandern.de Das habe ich zweimal gemacht. Ohne Zelt, nur mit dem Himmel überm Kopf. War sehr schön. Aber man kann das eine tun und muss das andere nicht lassen. Warum schränktst Du Dich so ein?
  • vilsrip
    Sehr interessante Diskussion - aber ich habe den Film mit sehr gemischten Gefühlen gesehen. Einerseits fand ich den Enthusiasmus des jungen Mannes positiv, andererseits war er mir einfach zu selbstherrlich. An einer Stelle spricht er über die Einbindung eines hochrangigen Experten und behauptet "experts love to share their knowledge" - tja, das mag stimmen, wenn sie drei oder vier Anfragen im Halbjahr bekommen. Wenn aber die in diesem Film dargestellte Lernorganisation zur Regel werden sollte, dann werden die Experten schlichtweg nicht mehr zur Verfügung stehen, weil sie den Ansturm nicht bewältigen.
    Bei den Funktionen, die der Lehrkraft am Ende zugeschrieben werden, geht es mir wie Thorsten Larbig, der kommentiert:
    Lehrende als Lernbegleiter – ja. Aber keine Reduktion auf diese Rolle.


    LisaRosa bin ich dankbar für die Erinnerung an ein Zitat:
    Erinnert sei an das schöne Wort Hartmut v. Hentigs "Das wichtigste Curriculum des Lehrers ist seine eigene Person."

    Es unterstreicht u. a., wie sehr der Unterricht eben doch an die Person der Lehrkraft gebunden ist. Da nützt es nichts, dem technikfernen Kollegen zu suggerieren, er lebe hinterm Mond - *wenn* der Kollege einen technikfernen Unterricht macht, der trotz der Technikabstinenz die Schüler involviert und für die Inhalte des Fachs gewinnt, dann ist der Unterricht gut - auch im 21. Jahrhundert. Dieser Kollege wird ja nicht der einzige sein, der diese Schüler unterrichtet, sondern andere Lehrkräfte thematisieren dann eben die Vernetzung mit der modernen Wissenswelt.
    Die technikferne Lehrkraft wird ohnehin im Laufe der nächsten Jahre immer seltener werden. Die Verfügbarkeit und die gute Qualität der neuen Mittel werden eine Überzeugungsarbeit leisten, gegen die nichts mehr einzuwenden ist - denke ich. Außerdem kommen die neuen Lehrergenerationen ja schon mit Technikerfahrung an die Uni, lernen dort, wie man die Technik für den Unterricht nutzbar macht. Das wird ein Selbstläufer.
    Noch einmal zu dem Filmbeitrag zurück, an dem du, Matthias, die ganze Diskussion ja aufgehängt hast: Die Rolle der Professorin (Kontakte ermöglichen, zur Informationssuche anleiten, motivieren etc.) wird erst ganz zum Schluss erwähnt. Vorher klingt die in enthusiastischem Ton vorgetragene Beschreibung des Prozesses ganz so, als habe der Student sich das alles aus dem eigenen Ärmel geschüttelt. Dabei wäre gerade das interessant: *Wie* schafft es die Professorin, solch einen Prozess in Gang zu setzen, zu lenken und zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen? *Das* wäre für mich noch viel interessanter als die Beschreibung des Studenten, dessen Unterton unüberhörbar lautet: "Hoffentlich merkt ihr alle, wie toll ich bin?"
  • lisarosa
    "*Wie* schafft es die Professorin, solch einen Prozess in Gang zu setzen, zu lenken und zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen? " --- Mit professioneller Projektdidaktik. Dazu gehören - im Groben jetzt - z.B. Verfahren (Prozess-Strukturwissen) wie "7 Projektschritte", und Prozessinstrumente wie "5-Arbeitsschritte zu einer Projektskizze" usw. Kann man lernen. Wird aber in der Lehrerbildung noch selten gelehrt.
  • vilsrip
    Ah! Projektdidaktik. - Da sind wir ja in Bayern demnächst alle Experten, jedenfalls die Gymnasiallehrer, die ein P-Seminar leiten dürfen. "Learning by doing" lautet die Devise (s. Überblick/Projektarbeit). Und schließlich sind natürlich dann alle Schülerinnen, die an einem solchen Projekt teilgenommen haben (und das heißt: ALLE, denn die Teilnahme an einem Projekt ihrer Wahl ist Pflicht), auch in dieser Hinsicht aufs Leben vorbereitet. :-)
  • lisarosa
    Aha, schön zu hören. Aber mit "demnächst" ist es vllt etwas übertrieben, denn Projektleitung lernt man nicht mal eben in einem Seminar ... ;-)
  • Ich glaube der Peter Ringeisen meint das ein bisschen ironisch ("alle Experten... dürfen" etc.) - dazu nur ein Zitat und eine Einschränkung: “If you want to see what kids have learned, give them a project. Dare them to show you what they can do with their own head, heart, and hands. That’s when you’ll get kids engaged. That’s when you’ll get kids learning. That’s when you get kids who can change the world.” – Chris Lehmann --- Einschränkung: Auch Projektunterricht kann nur ein Stück des Kuchens sein, zuviel verdirbt den positiven Effekt...
  • "Dare them to show what they can do." Ja, da kommen schöne Sachen heraus. Die Schüler können nämlich viel mehr und anderes, als sie in der Schule gelernt haben, und dieses Wissen sollten wir auch anzapfen. Allerdings widerspricht das dem "Test what you teach". Und am meisten profitieren die Schüler davon, denke ich, die schon viel Wissen und Können von zu Hause mitbringen.
  • Lieber Peter, dankeschön für Deinen erdenden Kommentar. 1. Was ist ein Experte? Das mit dem Expertenmangel bei flächendeckend zwangsverordnetem Networked Teaching sah ich lange Zeit auch so. Es war wieder einmal Chris Lehmann, der mir den Begriff "Experte" geöffnet hat, als er von einem Projekt berichtete, in dem SchülerInnen per Skype und E-Mail für die Güte der Konstruktion einer Wasserversorgung in einem afrikanischen Dorf sorgten - und mit Begeisterung eine unglaubliche Leistung erbrachten. Nun können auch solche Projekte sicher nicht Unterrichtsalltag sein, jedoch müssen wir - das hat mir die Beschäftigung mit "Kompetenzorientierung" erst richtig klargemacht - schon einmal über das Format der Aufgäbelchen und Aufgaben nachdenken, die wir unseren jungen Lernenden zumuten. Da darf es m.E. durchaus etwas mehr sein. - Gerade im Fremdsprachenutnerricht ist jeder Native Speaker ein Experte, und von denen gibt es ja eine ganze Menge (beim zweiten Gedanken daran ist der Kreis für Kooperationen, z.B. gemeinsame Lektüre, virtual exchange programmes und dergl. wohl noch viel weiter zu ziehen). Also: "Experte" ist eine aufgabenabhängige Variable, die nicht exklusiv mit "Experten" (sorry, bitte nicht persönlich nehmen, mir ging es bis Lehmann ja genauso) genuin deutschen Verständnisses deckungsgleich sein muss. - 2. Was ist guter Unterricht? Wenn eine Lehrkraft nicht moodlen oder waven kann oder will und sich dazu oder anderweitig IT-orientiert auch nicht von seinen Schülerinnen und Schülern fortbilden lassen will, finde ich das schon ein bisschen grenzwertig, und wir können weder Fächer noch Individuen einfach vom Einsatz moderner Kommunikationsmittel dispensieren, zumal wenn sie vom Lehrplan vorgeschrieben sind. Dennoch hast du insofern Recht, dass es a) auch vor dem Computer einen guten Unterricht gab, der heute seinen Wert nicht einfach verloren hat und b) das unterrichtliche Handeln einer sich übermäßig verbiegenden Lehrkraft mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Verlust als zum Gewinn an Unterrichtsqualität führt. - 3. Neue Lehrergenerationen: Hoffentlich lesen meine LiV nicht mit... - Nur soviel: es gibt auch bei frischen Referendarinnen und Referendaren sehr erstaunliche Unterschiede hinsichtlich Experimentierfähig- und -freudigkeit mit den (nun wirklich nicht mehr so "Neuen") Medien. Den Rest musst du dir denken!-) - 4. Nervpotenzial des Clips: Ja, ein paar Elemente (du legst den Finger in die Wunde) bleiben auch nach Abzug der CommonCraft-Stilisierung in der Tat etwas nebulös bzw. durch den durchaus kulant eingesetzten Weihrauch etwas verschwommen. Der Clip fasst wichtige Aspekte einer kanadischen Onlinefortbildung - vgl. http://ltc.umanitoba.ca/wiki/Connectivism - zusammen, ist inhaltlich also wahrscheinlich stark komprimiert und mag auch deshalb etwas gestelzt daherkommen; er scheint auch mit heißer Nadel gestrickt zu sein (Wendy Drexler berichtet auf http://teachweb2.blogspot.com/2008/11/cck08-con... von einer fragengeleiteten Schlussbetrachtung, aus welchper der Clip hervorgegangen ist, bei dem ihr auch ihr Sohn geholfen hat) - deswegen würde ich die fragwürdigen Details in diesem Fall nicht allzu hoch hängen wollen und eher den positiven Gehalt ("I think it's a good start for a k12 classroom.") fokussieren... - Vielleicht findest du ja in Wendys Blog weitere Impulse?
  • Hallo Matthias,
    Dein Beitrag hat mich ehrlich gesagt richtig ins Grübeln gebracht (gut!).
    Nachdem ich zunächst das Filmchen angeschaut hatte, habe ich mir schnell die Punkte zur Rolle des neuen/ der neuen idealen Lehrenden (in mein Notizbuch - nur am Rande bemerkt) notiert...

    ... und gleich darauf kam irgendwo aus dem virtuellen Nirvana meines Geistes folgende Frage auf:

    Woher haben Du und ich unsere Medienkompetenz? (Ich denke mal, wir beide sind einigermaßen medienkompetent, da in Blogs reflektierend, twitter nutzend, moodle kennend etc.) Ich schätze mal auch in Deinem Falle definitiv nicht aus der Schule.

    ERGO: Als Richtstern sich diese Rolle vornehmen, o.k., aber sich den "Schuh gleich ganz anziehen"? Das ist m.E. dann doch zuviel.

    Aber zurück zu meiner Frage: Wo kommt DEINE persönliche Medienkompetenz denn nun her?

    ... fragt sich
    mons7/ eLEx
  • Liebe Monika, danke für deinen nachdenklich stimmenden Einwurf. Wir dürfen freilich auch anderen Menschen außer uns autodidaktische Fertigkeiten zudenken und -muten, das stimmt. Freilich war Medienkompetenz in meiner Schulzeit (Abi 1989) auch noch nicht wirklich ein Riesenthema, Filme und deren Analyse haben wir zwar trotzdem schon recht intensiv betrieben, in Bibliotheken sind wir auch gegangen und wie man Fernleihe betreibt hat mir auch mal ein Lehrer erklärt (ich habe es damals aber in Ermangelung existenziellen Interesses nicht ganz verstanden). Die heutige Situation ist aber m.E. derart verändert, dass wir uns nicht durch den Vergleich mit unserer eigenen IT-Prägung entlasten können. Wie Jugendliche heute mit Medien und Information umgehen (abgebildet z.B. in der JIM-Studie http://www.mpfs.de/index.php?id=11 - als regelmäßige Lektüre allen Lehrkräften zu empfehlen) hat sich in einer Weise verändert, die ohne massive institutionelle Schäden m.E. nicht sehr viel länger den häufig durch Angst, Ahnungslosigkeit oder Abschätzigkeit begründeten Verdrängungs- und Ignoranz-Ansatz aushält (verstehe mich nicht falsch, ich meine natürlich nicht dich, sondern extrapoliere dein "Ergo" zu etwas, was mir schon anderswo als Argumentation begegnet ist). Mit Google und Wikipedia in der Tasche unserer jungen Lernenden muss sich die Funktion der Lehrenden doch verändern - "Handy ausschalten" wirkt auf mich wie das Pfeifen im Walde. - Ich führe noch einmal gerne das Bonmot von Chris Lehmann an: "Technology needs to be like oxygen - ubiquitous, necessary, invisible" - für viele Jugendliche ist das schon selbstverständlich, unsere Unterrichtsgestaltung hat da jedoch durchaus noch Entwicklungsmöglichkeiten...
  • Muss ich auch so lange antworten? :)

    Ich greife mir mal einen Punkt heraus:

    In der oft erwähnten Problematik der "unüberschaubaren" Tools glaube ich eine Fokussierung zu erkennen, die auf einer neu zu denkenden (also "alten" :)) Vorstellung beruht, von der ich mich selber auch nicht befreien kann. Es muss einen gemeinsamen Punkt geben, um den wir uns versammeln und mit dem wir alle gemeinsam Arbeiten. Dies kann ein Klassenzimmer, eine Stunde oder ein moodle sein.

    Wave, Wordpress, Twitter, TypePad, trumbl und was es sonst noch gibt sind alles nur Werkzeuge. Wir dürfen uns nicht an solchen Marken festhalten und unsere Gedanken damit "limitieren".
    Das Internet ist - nimmt man den ersten Browser als Geburt - gerade mal knapp 15 Jahre alt. Was sich in dieser Zeit alles ergeben hat, ist unglaublich - und war mit Sicherheit nicht absehbar. Google? Ist 1998 gegründet worden! Prognosen sind also unmögich.

    Wenn wir "Transformation" versuchen zu denken, dann sollten wir das also besser nicht unter Zuhilfenahme bestimmter Tools tun, sondern mit den neuen Techniken, die die Tools uns zur Verfügung stellen:

    1. Unendlich schnelle globale Kommunikation
    2. Kollaboration nicht nur zeitversetzt, sondern gleichzeitig und spontan
    3. Informationsverarbeitung nicht mehr in Ordnern (feste Strukturen), sondern in Netzwerken (Tags, Assoziationen).
    4. Wissen ist keine Frage des Zugangs, sondern der Auswertung.

    Vielleicht wäre ein Schweichen gut, in das jeder 1 € tut, der die "Welle" nochmal als Lösung für zukünftige Lernsettings nennt :)
  • Danke, Felix, für deinen Beitrag. Ja, Wave ist auch nicht der Heilige Gral und wir können auch nicht warten, bis dieser gefunden ist (s.u.) - dass die Eulogien nerven, ist auch nachvollziehbar; dennoch noch einmal: durch die Bündelung synchroner, semi-synchroner und asynchroner Kommunikation unter einer für Non-Geeks bedienbaren Oberflöche ist Wave (ok, meine Kommentare kosten mich bisher etwa 5 Euro...-) schon etwas Besonderes, das es auch von den anderen von Dir genannten Tools abhebt. - Doch stimme ich Dir zu, dass wir eher an die Möglichkeiten als an die Tools denken müssen - genau deswegen ist das Herunterschrauben der technischen Hürden ja so wichtig. So richtig Neues bringt Wave ja wirklich nicht, aber die Bündelung und Bedienbarkeit sind m.E. entscheidend, potenziell bildungsrelevant (auch in Auseinandersetzungen mit den Nutzungsmöglichkeiten von Wave begegnet "education" sehr häufig, vgl. weiter unten) und LMS-bedrohlich (vgl. Smithers, Link weiter unten: "...combined with other ways of delivering content and changing attitudes to the control of content it will probably contribute to the decline of the LMS as a key educational technology platform."). - Dein vierter Punkt
    Wissen ist keine Frage des Zugangs, sondern der Auswertung.
    gefällt mir einerseits gut, da er auch in die "Fenster/Kanäle auf"-Richtung weist, andererseits bezweifle ich ihn aber auch, da ohne Zugangsmöglichkeiten auch die Auswertung behindert und somit das Wissen beeinträchtigt wird.
  • Dein vierter Punkt "Wissen ist keine Frage des Zugangs, sondern der Auswertung."
    gefällt mir einerseits gut, da er auch in die "Fenster/Kanäle auf"-Richtung weist, andererseits bezweifle ich ihn aber auch, da ohne Zugangsmöglichkeiten auch die Auswertung behindert und somit das Wissen beeinträchtigt wird.


    Ich verstehe nicht genau, was Du meinst. Wer hat denn zukünftig keinen Zugang? Setzen wir nicht voraus, dass der Zugang zum Netz in Zukunft keine Frage mehr sein wird? Von daher ist die Auswertung und der Umgang mit der Datenflut eine neue Kompetenz, die bisher kaum zu erarbeiten war. Relevanz und Sinn sind die beiden Punkte, die eine deutlich größere Rolle spielen.
    Es ist keine Frage mehr, ob ich Informationen finde, sondern wie ich diese bewerte und wann ich mich mit einem Ergebnis zufrieden gebe. Denn theoretisch ist die Menge unendlich.
  • Netzzugang an sich dürfen wir schon erwarten, u.U. diesen aber in gestaffelter Qualität (Filter, Speed) - in gewisser Weise würde ich Zugang und Auswertung auch als eine Einheit verstehen.
  • lisarosa
    Oje, so komplex. Aber so spannend. Ich denke, dass wir grade in einer Phase sind, wo die Entwicklung und Ausdifferenzierung der verschiedensten Instrumente zur Kollaboration explodiert ist. Vgl. übrigens gerade den Beitrag im neuen edublog von @ths01 http://www.gedankenimpuls.de/2009/10/informatio...
    Ich "warte" auch auf google wave. Aber bis es für alle funktioniert, kümmere ich mich nicht darum. Bis es nutzbar ist, müssen wir mit den Schülern, Studenten, Lehrern eben mit dem arbeiten, was wir haben und womit wir selbst gut umgehen können. Ich kenne moodle nicht aus der eigenen Arbeit und kann dazu nichts sagen. Ich habe aber - und das ganz genauso mit Altholzmedien - immer einen Vorbehalt gegen didaktisch zugerichtete Medien und deren Inhalte. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass pädagogische Begleitung/Coach/"Lehren" am meisten hergibt, wenn sie die Begegnung von Lernenden mit Gegenständen und vermittelnden Gegenständen (= Instrumenten, Medien) ohne weitere didaktische Zurichtung ermöglicht. Erinnert sei an das schöne Wort Hartmut v. Hentigs "Das wichtigste Curriculum des Lehrers ist seine eigene Person." Da ist alles drin, was Herr Larbig fordert: Die Begeisterung des Lehrers an seinem Fach, am Gegenstand (Inhalt) und am Instruament bzw. Medium. Und man muss natürlich immer die Instrumente und Medien benutzen, die da sind. Drum kommen wir nicht herum um die iPhone-Klassen, mit denen wir dann in den Wald gehen und dort Gedichte über den Baum lesen und erfinden. Oder wollen wir damit warten, bis das Tool erfunden ist, das die Schüler haben werden, wenn sie erwachsen sind? (Plöde Frage, ich weiß.) Der gute Unterricht zu HvHs Zeiten ging mit dem Notizbuch und dem Füllhalter in den Wald, um genau dasselbe zu tun, nämlich Gedichte über den Wald zu lesen, zu dramatisieren, zu schreiben. Noch nie hat ein Medium die "reale" Welt (das Medium gehört zu ihr) "ersetzt." Aber man kann mit den Medien Realwelten erschließen, in die man anders nicht hineinkommt. WEr kann schon mit seinen Schülern in die Arktis oder den Regenwald gehen? Früher hat man darüber lesen (lassen) können in Büchern. Das Rhinozeros kam nach Europa in Form einer Renaissance-Zeichnung, lange bevor es in den Zoo kam, wo es auch nicht mehr ist, was es in seiner natürlichen Umwelt mal war. Herr Larbig schreibt mit dem Füller ins Molskine und genießt es, ich tippe meine Termine in den 10 Jahre ollen Palm. (Auch nicht grade die Avantgarde.) Wenn ich ein iPhone hätte und mir die Zeit nehme, es zu explorieren, dann kommt der Palm ins Privatmuseum zum Füller. Mister Wong benutze ich nur für mich, damit ich meine Referenztexte überall auf der Welt wieder finde. Jeder hat sich selbst seine persönliche Lernumgebung gemacht - einen Teil davon gibt er an seine Schüler weiter und macht sie zur gemeinsamen Lernumgebung im gemeinsamen Gebrauch. Und zwar solange, bis die Transformation zur neuen "Schule" über die Bühne gegangen ist, in der sich neues standardisiertes gemeinsames Medium etabliert haben wird. Vielleicht OLPC oder OiPhonePC und googlewave - vielleicht aber auch etwas anderes - je nachdem, wie lange die Trajektorie dauert zur Etablierung der neuen Epoche (Wissensgesellschaft/ oder Informationsgesellschaft / oder Sinngesellschaft genannt). Aber von einem bin ich überzeugt: Die Wissensgesellschaft wird keine didaktisch-methodisch redzuierte Realität als Lernort/Lernumgebung brauchen.
  • Hallo Lisa, besten Dank für Deine Stellungnahme, deren pragmatischen Ansatz und idealistischen Tenor ich schätze und bewundere. 1. Ja, die Inflation kollaborationsfördernder (zumindest -förderlicher) Tools der letzten Monate erzeugt einen gewissen Schwindel (und die Unmöglichkeit, alles mitzubekommen). - 2. Ja, wir müssen mit dem handeln, was wir haben, nicht auf eine wie auch immer bessere Zukunft warten und so lange Vertröstungslehre betreiben. - 3. Ja, idealerweise sollte unser Stoff, sollten unsere Themen und Inhalte auch so sein, dass sich didaktische Reduktion erübrigt. - Ergänzungen: 1./2. Hintergrund meines Beitrags ist der Befund, dass Moodle und Co. nicht ansatzweise flächendeckend verwendete, geschweige denn im Sinne der 21st Century Literacy Skills eingesetzt werden - meiner Meinung nach nicht zuletzt deswegen, weil der technische Aufwand, die Einarbeitung und administrative Pflege des Systems, also alles, was nichts mit der eigentlichen Arbeit zu tun hat, zu groß ist bzw. für viele Kolleginnen und Kollegen abschreckend bleibt (auch junge Lernende sind hier mitzudenken, da sich z.B. die Moodle-Standardblöcke und -module doch in mancherlei Hinsicht nicht wirklich so flüssig anfühlen respektive bedienen lassen wie viele Jugendliche das von ihren Seiten her kennen). Deswegen dürfen wir die Wachsamkeit für bessere Tools nicht aufgeben und auch nicht vergessen, entsprechende Werkzeuge bei passender Gelegenheit auch zu testen - in der Hoffnung, dass der Abgrund, den viele Kolleginnen und Kollegen spüren, besser überbrückt oder sonst irgendwie zugeschüttet werden und somit nicht mehr als evtl. bequeme Ausrede für IT-abstinenten Unterricht dienen kann. - 3. Sowohl bei mit voller Stundenlast unterrichtenden Lehrkräften als auch bei jüngeren Lernenden sehe ich Realisierungsprobleme hinsichtlich einer nicht didaktisch-methodisch reduzierten Realität als Lernumgebung: Lehrkräfte haben i.d.R. nicht die Zeitreserven, auch nur mehrheitlich einen individualisierten, kompetenzorientierten, und am Ende sogar noch für junge Menschen spannenden/ansprechenden Unterricht zu planen und zu organisieren. Natürlich sollte das eine das andere ergeben/auslösen, natürlich schafft ein zum Ideal kompatibler Unterricht auch neue Freiräume, aber er ist - zumal wenn er dem eingeschliffenen, vermeintlich bewährten Unterrichtsstil fern steht, eine riesige Herausforderung, von der selbst an Fortbildung, professioneller Entwicklung und neueren Trends interessierte Kolleginnen und Kollegen Abstand nehmen. - Junge Lernende sind bisweilen durch analytische Aufgaben zu Realien überfordert, weswegen didaktisch-methodisch reduzierte Varianten mir nicht immer als wirklich erstrebenswert erscheinen. Es liegt auch ein bisschen an den Fächern: Für Naturwissenschaften stimme ich deinen Ausführungen voll zu (Stichwort Waldbesuch, wenn's sein muss auch mit iPhone), bei den Geisteswissenschaften wird es auf Grund ihrer überwiegend theoretischen und abstrakten Inhalte schon schwieriger, Erleben und Erfahren in den Lernprozess zu integrieren. --- Schlussendlich treffen wir uns im Ideal, im Ziel, meine Bewertung hinsichtlich deren Erreichbarkeit ist aber wohl etwas konservativer als Deine?!
  • Ein Vorwort zur Genese dieses Kommentars: Matthias hat den Beitrag geschrieben. Anschließend hat er in Twitter gezielt Leute angesprochen, sie mögen doch, falls die Zeit es zulässt, lesen und kommentieren. Die Kontakte über Twitter sind dank der Blogs, Twitter selbst und das durchaus funktionierende Netzwerk von Lehrenden und an Lernprozessen Interessierten entstanden. Dieser Beitrag und die Kommentare spiegeln den Inhalt des Beitrags selbst wider, insbesondere die Anmerkungen Matthias im letzten Abschnitt.

    ---- Jetzt aber zum Beitrag selbst…––

    Die Menge der angesprochenen Tools und ihre nicht immer in idealer Weise ausgeprägte Benutzerfreundlichkeit bremsen meine Begeisterung jedoch etwas […]


    Die Menge der angesprochenen Tools zeigt ein Grundproblem der Vernetzung: Sie wird zu kompliziert gedacht. Beispiel: Delicious hat sich in meiner Praxis gar nicht bewehrt, die themenbezogenen Linkhinweise in Blogbeiträgen hingegen sehr. Ich vermute den Grund darin, dass in Delicious bloße Links gesammelt werden, während diese in Blogartikeln in einem inhaltlichen Kontext stehen, aus dem ich schon ersehen kann, ob ein Link mir was bringen könnte oder nicht.

    mit Google Wave ein Instrument am Horizont auftaucht ist, mit dessen Hilfe einige dieser Tools gebündelt bzw. an einem Ort zusammengeführt werden können


    Bislang ist Wave vor allem ein gut vermarktetes, mit einem Mythos umgebenes Instrument, das sich in der Praxis noch nicht bewährt hat. Darüber hinaus stellt eine solch zentralisierte Plattform bei GOOGLE (sic!) angesichts der Datenschutzvorgaben, denen Lehrer und Lehrerinnen in Dtl. folgen müssen, ein Problem dar. Wenn Google Wave OpenSource ist, müsste es aber doch möglich sein, diese Anwendung auf einem eigenen Server laufen zu lassen, sodass die Datenhoheit bei der Schule oder bei dem Lehrer bleibt. Das ist dann natürlich nicht mehr „kostenlos“, weil man Speicherplatz und Server braucht. Ich freue ich auf das Instrument, werde es mir aber in Bezug auf den Datenschutz sehr genau anschauen.

    Nicht dass ich die verfügbaren Tools persönlich schlecht fände. Ich nutze sie ja, aber auf der Basis meiner freien Entscheidung. Dort, wo ich Lernende quasi auf solche Arbeitsformen vorsichtig beginne zu verpflichten, nutze ich weder Facebook, noch Twitter und auch nicht mehr wordpress.com, sondern habe eine eigene Umgebung mit Blogs und Community mit Wordpress, Buddypress und bbpress aufgebaut, in der die Datenhoheit bei mir bleibt. Für diese Umgebung fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Kollaborationstool wie GoogleDocs, das ich direkt auf dem Server installieren kann.

    Technikfreie Grundkompetenzen, z.B. auch das “Social Networking” innerhalb einer Lerngruppe, dürfen m.E. nicht zu stark in den Hintergrund treten (in dieser Hinsicht hinterlässt auch René Schepplers Schmankerl Nr. 47 trotz aller lobenswerter Stichworte und Ansätze ein etwas ungutes Gefühl in mir – dass z.B. das Schreiben dort noch als Kulturtechnik hochgehalten wird, wirkt für mich fast ein bisschen aufgesetzt).


    Technikfreie Grundkompetenzen: Stimmt. Ich kann aber nicht erkennen, wo in dem Film dieses Problem auftritt. Dass das Schreiben als Kulturtechnik hochgehalten wird, erscheint mir nicht aufgesetzt, sondern eine notwendige Anmerkung: So wie du das „Sozial Networking“ hochhältst, kann ich nicht leugnen, dass ich neben meiner vernetzten Ader eine mind. ebenso stark ausgeprägte analoge Ader habe. Vieles von dem, was ich im Netz mache, wäre ohne mein mit Füller geschriebenes Notizbuch nicht möglich. Anders ausgedrückt: Im Netz darf nicht die Körperlichkeit verschwinden; der Zoobesuch darf nicht durch Recherchen zu Tieren im Netz ersetzt werden…

    Von entscheidender und richtungsweisender Bedeutung für mich ist die in dem Clip ab 4′20” sehr gut skizzierte Bedeutung der Lehrkraft in diesem Vernetzungsszenario: Sie hilft den jungen Lernenden bei der Erstellung ihres Netzwerks, leistet Hilfestellung, wenn sie nicht weiterkommen, zeigt ihnen als Modell gelingende Kommunikation sowie respektvollen Umgang mit ExpertInnen, befähigt sie zur Unterscheidung zwischen guter Information und Propaganda, zur Überprüfung einer Ressource, zu einer klug gefilterten Webrecherche, teilt bei Erfolgserlebnissen deren Begeisterung


    Alle Leute, die ich kenne, die von einer Lehrkraft für ein Fach begeistert wurden, sprechen davon, dass es die Begeisterung des Lehrers für die Inhalte des Fachs war, die ansteckend wirkte. In dem hier beschriebenen Modell kommt es mir manchmal so vor, als sollten die Lehrkräfte nur noch Lernbegleiter sein und all das, was sie an einem Fach begeistert, verweigern. Wenn ich ein Gedicht toll finde, dann helfe ich doch nicht nur den Jugendlichen dabei, ihren eigenen Weg des Zugangs zu finden, sondern ich zeigen meine eigene Begeisterung. Das heißt natürlich nicht, dass ich all das, was du oben nennst, nicht unterstützen würde, aber die Richtung, in die das Lehrerbild in letzter Zeit geht, macht mir Bauchschmerzen. Das gilt übrigens auch für das digitale Arbeiten. Die Tatsache, dass ich es mache und davon begeistert bin, verschafft mir erstens Zugang zu Schülern und Schülerinnen, die oft die Erfahrung gemacht haben, dass Lehrende ihren digitalen Welten eh nur ablehnend gegenüberstehen und zweitens hat es auch schon Schüler und Schülerinnen angesteckt, sodass ich bspw. einen Ex-Schüler, der gerade sein Abi gemacht hat, bis heute bei Fragen unterstütze, während er nun sein eigenes Netzwerk aufbaut, das eng mit seinem seinem Berufsziel verbunden ist.

    Kurz: Lehrende als Lernbegleiter – ja. Aber keine Reduktion auf diese Rolle. Das macht den Beruf ja so anspruchsvoll: Lehrende müssen in ihren Fächern verdammt gut sein um als Lernbegleiter anstecken zu können. (Die Lehrerausbildung geht leider in die Richtung, das Fachstudium abzuwerten und aus dem Lehramtsstudium ein eigenes Fach zu machen, in dem das Fachstudium tendenziell zurück gedrängt wird. Ganz ehrlich: Wäre ich als Student auf eine solche Struktur gestoßen, wäre ich wahrscheinlich kein Lehrer geworden, weil ich ja mein Erststudium (Sozialpädagogik) gerade deshalb in ein fachorientiertes Lehramtsstudium umgewandelt habe, weil ich das Gefühl hatte, außer „Kompetenzen“ keine Inhalte mitzubekommen. Aber das mag ein Einzelphänomen sein. Es stimmt ja, dass es auf dem Fachweg auch zu Fachidiotentum kommen kann – aber auf dem Kompetenzweg kann es genau so zu Kompetenzidiotentum kommen. (Das ist zum Beispiel der Grund, warum ich auf herrlarbig.de auch fachbezogene Artikel habe. Nach wie vor sind inhaltlichen Beiträge zu Faust, Bachmanns „Alle Tage“ etc. die Quotenbringer – und eben nicht meine [medien-]didaktischen Artikel.)

    <blockqute>Genau diese über die Schulzeit hinausreichende Perspektive müssen sich Lehrende zu eigen machen und ihr unterrichtliches, auf Medien- wie Sozialkompetenz abzielendes Handeln, danach gestalten.

    Völlige Zustimmung.

    Mit einer Einschränkung: Ich bin erschrocken, als die Fünftklässler der Bochumer Laptopklasse mit dem Berufsleben argumentierten. So schön ich die Beobachtung des einen Vaters in dem Film finde, dass der Laptop als Arbeitsinstrument gesehen wird, so sehr frage ich mich doch, welche Mentalität hinter solchen Schüleräußerungen steckt. Anders gefragt: Was zeichnet Kindheit aus und was nimmt Kindern die Kindheit? Nicht dass wir als Lehrende das aus den Augen lassen sollten. Aber sollen schon Fünftklässler so funktional denken?

    Dennoch: Wie kann es gelingen, in der Schule ein Netzwerk aufzubauen, das über die Schulzeit hinaus reicht? Schüler und Schülerinnen machen das schon über z. B. Facebook und in Einzelfällen (ja, so sieht die Realität meiner Beobachtung nach aus) über Blogs. Aber: Ob die Schule dies leisten kann oder ob sie nicht auch auf darauf vertrauen kann, dass Schülerinnen und Schüler nach der Schulzeit kompetent genug sein sollten, hier selbst aktiv zu werden, weiß ich noch nicht so genau. Wir wissen doch gar nicht, welche Instrumente zur Verfügung stehen werden, wenn heutige Schüler und Schülerinnen der unteren Klassen die Schule verlassen werden. Hier geht es also vor allem um die Erfahrung, dass vernetztes Lernen gelingen kann und die Begleitung dabei.

    Deiner Anmerkung zu Moodle-Welten stimme ich, wen, der mich kennt, mag das noch überraschen, ausdrücklich und dick unterstrichen zu.

    Vielmehr müssen wir uns bemühen, Kollaboration, gegenseitige Begleitung und Ergänzung im Lernprozess konsequenter anzubahnen, aufzubauen, zu trainieren und zu verstärken. Wir müssen von Anfang an bemüht sein, junge Lernende aneinander Interesse finden zu lassen, ihre Verantwortung und Begabung zu entwickeln, ihre Arbeit wertzuschätzen, ihnen Fenster in die Wände des Klassenraums einzusetzen, Kanäle nach außen, zu Ähnlich- und Andersdenkenden herzustellen.


    Völlige Zustimmung, ohne Wenn und Aber. Ergänzen möchte ich das aber dennoch:

    Vielmehr müssen wir uns auch in der eigenen Arbeit bemühen, Kollaboration, gegenseitige Begleitung und Ergänzung im Lehrberuf konsequenter anzubahnen, aufzubauen, zu trainieren und zu verstärken. Wir müssen von Anfang an bemüht sein, als Lehrende aneinander Interesse zu finden, unsere Verantwortung und Begabung zu entwickeln, unsere Arbeit wertzuschätzen, uns Fenster in die Wände des Lehrerzimmers einzusetzen, Kanäle nach außen, zu Ähnlich- und Andersdenkenden herzustellen.

    Und genau das schreibst du dann ja auch :-)

    Ha… Und den Beitrag von Lisa Rosa hatte ich noch gar nicht wahrgenommen (Der Ferienblick ist halt etwas anders ausgerichtet. Aber da haben wir das Beispiel schon wieder: Der Link in diesem Beitrag ist mir hilfreich. In Delicious hätte ich ihn vielleicht überlesen…)
  • Lieber Torsten, vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme, die gut tuende Zustimmung und die weiter treibenden kritischen Anfragen. - Danke auch für den Hinweis darauf, dass Beitrag & Resonanz die Sinnhaftigkeit eines PLN demonstrieren - hatte auf diese gute Diskussion gehofft... - Einige Bemerkungen zu dem, was Du anschließend schreibst: 1. Delicious.com benutze ich seit jeher (damals noch del.icio.us) eher falsch/egoistisch als sozial, nämlich als "Notizblog" - Kontakte haben sich darüber nicht ergeben, jedoch habe ich mich auch nicht wirklich darum bemüht, die aus den wenigen Tag-Relations hervorgehenden Links haben mich einfach nicht so interessiert... und dann kamen mit GoogleReader und Twitter zwei mich wirklich in neue Sphären katapultierende Werkzeuge, die meinen Denkhorizont erweitert und einige - wenn auch oberflächliche, aber die sind viel besser als gar keine - Kontakte mit netten, kompetenten und dazu kommunikationsfreudigen Menschen gebracht haben - genau das also, was zu den Grundpfeilern eines PLN gehört, die m.E. in der Schule mitangelegt (Monika, du merkst, ich konzidiere schon ein bisschen?!) werden können. - 2. Wave/Google: Ja, Google ist das neue Microsoft und blablabla und eigentlich mag ich die Eulogien ja auch nicht so sehr, aber Wave ist m.E. dennoch genau das Tool, das unseren Bedürfnissen durch die Bündelung asynchroner, semi-synchroner und synchroner Kommunikation unter einer für viele Menschen benutzbaren Haube, am weitesten entgegenkommt. In Kombination mit GoogleDocs und neuerdings auch noch Zoho als Dreingabe (seit gestern mit Google-Login nutzbar) hat man da m.E. schnell ein Cloud-LMS-Paket, das viel leichter zu unterhalten ist als Moodle & Co. - 3. Datenschutz: Sehr guter Einwand, eine neue Diskussion wert, die hier in Deutschland noch viel zu wenig Wellen geschlagen hat (sorry für die Wortwahl). Was Lernende erzeugen, sollte m.E. prinzipiell offen lizenziert sein, z.B. mit den entsprechenden CreativeCommons-Etiketten. Google hat an verschiedenen Stellen (Picasa Web Albums, Image Search & Google Books CC-Brücken implementiert, die auf eine gewisse Kraken-Sympathie für den Ansatz schließen lassen, was wiederum sicher nicht ausreicht, grundsätzliche rechtliche Bedenken auszuräumen. Hinsichtlich nicht öffentlich geschalteter Projekte habe ich da relativ wenig Bauchschmerzen (vgl. http://www.classroom20.com/forum/topics/intelle... und schon http://www.readwriteweb.com/archives/google_ada... - auch ("best practice"-ähnliche) öffentliche Dokumente können nur zur Werbung für den Service benutzt werden, was ich nicht für sündhaft und auch nicht für kontraproduktiv zur Motivierung einer Lerngruppe halte. - Datenschutz ist ein größeres Problem, zumal wenn Wave adaptiert wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass Anonymität der Schlüssel zur auch hier sauberen Arbeit mit Onlinetools ist; dass sie darüber hinaus auch didaktische wie pädagogische Vorteile haben kann, hat heute auch Jim Vanides sehr gut zusammengefasst: http://www.readwriteweb.com/archives/google_ada... - idealerweise gehört die Einholung der elterlichen Zustimmung zu anonymisierten Onlineprojekten an den Anfang der Eingangsklasse, sollte bis auf Widerruf bis zum Schulabschluss Gültigkeit haben und so Grundlage des Medienkonzepts jeder Schule sein... - 4. Facebook, Twitter & die Insel: Weder FB noch Twitter kann ich mir momentan als rekurrierende Unterrichtstools vorstellen, zumindest nicht mit Privataccounts der jungen Lernenden - und dass ich die Insel zwar schön finde (sie mit Moodle/WPmu und evtl. bald auch eyeOS auch selbst baue), sie aber nicht für zukunftskompatibel bzw. der Verbreitung unserer Anliegen förderlich erachte, habe ich schon weiter unten begründet. - 5. Schmankerl-Schauern hat mich ergriffen, als von extensiver Notebook-Arbeit in allen Fächern berichtet wurde. So wenig wie man von morgens bis nachmittags LdL, Gruppenpuzzle oder Kugellager betreiben kann, genausowenig halte ich es für sinnvoll, Heranwachsende länger als notwendig vor dem Monitor sitzen zu lassen. Irgendwo habe ich mal einen schönen Cartoon über einen Bildschirmarbeiter gesehen, der nach Feierabend daheim in der selben lethargischen Haltung daddelt... - Wahrscheinlich/Hoffentlich läuft das in Bochum ja anders bzw. abwechlsungsreicher, aber der Beitrag kam bei mir irgendwie (d.h. gerade mal unbelegbar) vereinseitigend "Technik-iSchool-yeah!"-mäßig an. - 6. Begeisterungskastrierte Lehrkräfte darf es natürlich nicht geben und ich bin der letzte, der für weniger fachliche Ansprüche auf die Barrikaden steigen würde. Insofern: Zustimmung auf ganzer Linie; die Rollen und Funktionen einer Lehrkraft sind komplex. - 7. Funktionalisierte Kindheit: Achtung, hier beginnt die interessante und herrlich ineffiziente Debatte: "Was ist Bildung?" - Mit "creatively solving the world's problems" ist im Networked Student"-Clip jedoch m.E. weniger die Berufsorientierung und -einschleifung gemeint, sondern ein projekt- und problemorientierter Unterricht, der eben nicht nur "Vorbereitung auf das Leben", sondern das Leben selbst ist - in diese Richtung verstehe ich auch das Ende von Lisa Rosas Kommentar. Bildung muss m.E. grundsätzlich zweckautark sein dürfen, d.h. nicht immer an qualifizierungsrelevantem Kompetenzerwerb kleben, denn dadurch können Kreativität und Flowerfahrungen bestens ausgeschlossen oder zumindest marginalisiert werden. An anderer Stelle dazu vielleicht einmal Niveauvolleres...
  • Eine wirklich treffende Perspektive: “In her heart she hopes that when he leaves her class, he’ll maintain his learning network, and use it to navigate his future, and creatively solve the world’s problems” - Angeregt durch Deinen Beitrag habe ich meine Gedanken (vor allem aber noch eher Fragen) für nur einen Teilbereich ("moodle - nur eine Zwischenstation") hier: http://watueueh.wordpress.com/2009/10/19/moodle... hinterlegt. Die Zukunft bleibt spannend.
  • Hallo Rolf - danke für Deinen Kommentar & Deine selbst gebloggten Gedanken - zu den Kernfragen mein Senf:
    1. Ist moodle nur eine Zwischenlösung auf dem Weg zu einer „echten“ persönlichen, digital unterstützten Lernumgebung? - 2. Kann dieser Zwischenschritt für „Bis-heute-noch-kein-moodle-Nutzer“ übersprungen werden? - 3. Und wie sehen die nächsten sinnvollen Schritte für Verantwortliche schulischer Lernplattformbetreiber aus?
    Ja, Moodle ist nur ein Zwischenschritt bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein anderes System mit deutlich weniger Aufwand einzurichten, zu benutzen und zu unterhalten ist. Für mich ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit (Felix, zähl die Euros!-) Wave, denn es wird nach einer gewissen Anlaufzeit als persönliche Kommunikationszentrale die Synthese asynchroner, semi-synchroner und synchroner Kommunikationsmittel sein, d.h. die Diskussionssegmente eines LMS (Chat, E-Mail, Foren, Wikis, evtl. auch Microblogging und Blogs) bündeln - vgl. hierzu den gestrigen hervorragenden Beitrag von Mark Smithers: http://www.masmithers.com/2009/10/19/google-wav... - und so die Frage in den Raum stellen, ob die restlichen Funktionen, die LMS zweifellos bringen, nun die Einbettung von oder in Wave erfordern. Praktischer ist m.E. die zweite Variante, da der ganze Administrationsstress enorm reduziert wird und die inhaltliche Entwicklung eines solchen Systems stärker in den Vordergrund treten kann. Damit ist auch deine dritte Kernfrage beantwortet.
  • Der Beitrag von Mark Smithers fasst GW schön zusammen. Ich bin gespannt und offen für die Schritte "nach" (oder ergänzend zu) meinen moodle-Aktivitäten.
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